SKELETTERKRANKUNGEN                   beim Border Collie

Im Großen und Ganzen ist der Border Collie eine vitale und auf Funktionalität selektierte Rasse. Dennoch kommen auch hier einige Krankheiten vor, die den Hund mehr oder minder beeinträchtigen können. Neben den Gendefekten sind es vor allem Erkrankungen des Bewegungsapparates / Skelettes.

 

HÜFTGELENKSDYSPLASIE (HD)

Hüftgelenksdysplasie (HD) ist eine krankhafte Veränderung der Gelenkpfanne, sodass der Gelenkkopf nicht mehr stabil darin gebettet wird. Da HD sowohl genetisch, wie auch durch Umwelteinfluß entstehen kann, ist nebst einer sorgsamen Verpaarung ebenfalls eine gelenkschonende Aufzucht wichtig. Es wird zwischen verschiedene Abstufungen von HD unterschieden. Ausschlaggebend ist der sogenannte "Norbergwinkel" (siehe Bild).

Bis 2002 wurde ein Gesamtergebnis für beide Hüften ermittelt. Anfangs mit Zahlen, dann mit Buchstaben.

0=frei, 1=Verdacht, 2=leicht, 3=mittel, 4-schwer.

Hier bleibt festzustellen, dass selbst Hunde mit 3 nur mäßige Beschwerden im Alter hatten.

  Heute werden beide Hüftwerte getrennt ermittelt und statt Zahlen werden Buchstaben und Zahlen verwendet, um das Ergebnis noch genauer darzustellen.

Es kann also ein Ergebnis A1/C1 vorkommen, welches bedeutet, dass eine Hüfte ganz normal entwickelt ist, während die andere nicht in Ordnung ist.

Kein Hinweis auf Hüftgelenksdysplasie (A)

Gelenksspalt ist eng und konzentrisch, der Winkel nach Norberg 105 Grad oder größer. Die kraniale Pfannenkontur ist strichförmig, der kraniolaterale Pfannenrand ist scharf gezeichnet. Die dorsale Pfannenkontur verläuft lateral des Zentrums des Oberschenkelkopfes.

Übergangsform (B)

Entweder ist der Gelenksspalt divergierend mit einem Norbergwinkel von 105 Grad oder größer,

oder der Norbergwinkel liegt zwischen 100 und 105 Grad, wobei der Gelenksspalt nur minimal divergierend sein darf.

Leichte HD (C)

Der Gelenksspalt ist divergierend, der Norbergwinkel ist größer als 100 Grad und der kraniolaterale Pfannenrand kann abgeflacht sein. Die dorsale Pfannenkontur kann medial des Zentrums des Oberschenkelkopfes liegen. Das Vorhandensein geringer osteoarthrotischer Veränderungen (z.B. Linie nach Morgan, angedeutete Randwülste, Unschärfen, subchondrale Pfannensklerose) bedingt unabhängig von den oben genannten Kriterien die Einstufung in leichte HD.

Mittlere HD (D)

Der Gelenkspalt ist deutlich divergierend, der kraniolaterale Pfannenrand ist in der Regel abgeflacht, und der Norbergwinkel größer als 90 Grad; oder es sind deutliche osteoarthrotische Veränderungen vorhanden.

Schwere HD (E)

Erhebliche dysplastische Veränderungen an den Hüftgelenken, z.B. Norbergwinkel unter 90 Grad, in der Regel mit deutlicher Abflachung der vorderen Pfannenkontur, Deformierung des Oberschenkelkopfes (pilzförmig, abgeflacht) oder mit anderen osteoarthrotischen Veränderungen.

 

Für die Auswertung muss ein Röntgenbild der Hüfte erstellt werden. Hierfür ist es unbedingt erforderlich, dass der Hund narkotisiert / sediert wird, um eine vollständige Muskelerschlaffung zu erzielen. Eine Auswertung ist nur so möglich. Die Wachstumsfugen müssen bereits geschlossen sein - das heisst, der Hund ist fertig entwickelt. Beim Border Collie empfiehlt sich daher ein Röntgen ab dem 14. Lebensmonat. In der Regel wird das HD-Röntgen mit dem ED- und OCD-Röntgen zusammen durchgeführt.

 

ELLBOGENDYSPLASIE (ED)

Die Ellbogendysplasie ist eine chronisch verlaufende Krankheit des Ellbogengelenks.

Die ED stellt eine vermutlich vererbte Entwicklungsstörung des wachsenden Skeletts dar. Hohes Körpermassewachstum und Fütterungsfehler sind weitere begünstigende Faktoren. Die ED beginnt in der späten Wachstumsphase bei vier bis acht Monate alten Jungtieren mit einer schmerzhaften Veränderung des Gelenks und der gelenkbildenden Knochenteile mit Lahmheit. Der Bewegungsumfang des Ellbogengelenks ist eingeschränkt. Frühzeichen sind Steifigkeit am Morgen oder nach Ruhepausen. Die Krankheit schreitet lebenslang fort und ist nicht heilbar, eine weitgehende Schmerzfreiheit kann aber in vielen Fällen erreicht werden.

Die ED wird über mehrere Gene vererbt. Der genaue Erbgang und die beteiligten Gene sind bislang nicht bekannt, so dass kein Gentest für die Erkrankung existiert. Der Nachweis kann daher bislang nur über die tierärztliche Beurteilung des Einzeltieres erfolgen. Der Grad der Vererbbarkeit ist für Rüden größer als für Hündinnen.

 

Eine Ellbogendysplasie entsteht, wenn die gelenkbildenden Knochenteile Oberarmknochen, Elle und Speiche nicht exakt genug zueinander passen. Die ungenaue Passform führt zu chronischen Umbauvorgängen am Ellbogengelenk und den gelenkbildenden Knochenteilen, die zu einer Sklerosierung der Knochen und zur Ausbildung von Knochenauswüchsen führen. Bei geringer Inkongruenz der Gelenkflächen ist die Osteoarthrose das einzige Anzeichen einer Ellbogendysplasie, darüber hinaus können weitere Veränderungen auftreten:

Fragmentierung des Processus coronoideus medialis

FCP, Ablösung des innen liegenden Kronfortsatzes der Elle)

Osteochondrosis dissecans am Condylus medialis humeri

OCD, Knorpelablösung am innen liegenden Rollhöcker des Oberarmknochens)

Isolierung des Processus anconaeus

IPA, Ablösung des Ellenbogenfortsatzes der Elle)

Ein gleichzeitiges Auftreten mehrerer dieser Komplikationen ist häufig.

 

 

Gradeinteilung und die Bedeutung:

ED Grad 0 - kein Hinweis auf ED (ED-frei)

ED Grad 1 - Übergangsform (ED-Verdacht)

ED Grad 2 - Moderate Arthrose (Zuchtverbot)

 

Auch bei der ED werden die Seiten unabhängig voneinander beurteilt, dies stellt sich mit den beiden Zahlen dar. Zum Beispiel bedeutet ED-0/0, dass beide Seiten ED-frei sind und ED-0/2, dass eine Seite frei ist und die andere betroffen. Auch diese Mischform bedeutet einen Zuchtausschluß!

 

OSTEOCHONDROSIS DISSECANS (OCD)

Auch OCD ist eine sehr komplexe Gelenkserkrankung.

Beim Wachstum entwickeln sich die anfänglichen Knorpelzellen in Knochenzellen. Die OCD entwickelt sich, wenn sich die Knorpelzellen im Bereich der Gelenksflächen sehr schnell teilen aber der Verknöcherungsvorgang zu langsam ist. Dadurch verdickt sich der Gelenksknorpel, bei einem sehr dicken Gelenksknorpel wird das von der Gelenkschmiere entfernteste Stück Knorpel unterversorgt - es stirbt ab und löst sich vom Knochen. Dieses Knorpelstück kann an Ort und Stelle verbleiben oder im Gelenk wandern ("Gelenkmaus"), in beiden Fällen treten Entzündungen auf, die zur Lahmheit führen. Die Folge bei Nichtbehandlung ist Arthrose im Gelenk.

OCD kann auch im Bereich der Wachstumsfugen entstehen. Hierbei wachsen die Knochen unterschiedlich schnell - die Gelenke werden ungleichmäßig belastet, die Folge sind "abgesplittere Knochen- /Knorpelstücke die wiederum zu Arthrose führen.

OCD kann in allen Gelenken auftreten, beim Border Collie vermehrt im Schultergelenk, weshalb dieses zur Auswertung geröngt wird. Auch hier ist der Erbgang als polygenetisch beschrieben.

Auswertung:

Bei der OCD gibt es keine Gradeinteilung, sondern nur die Unterscheidung zwischen FREI und NICHT-FREI

 

SPONDYLOSE

Die Spondylose ist eine krankhafte und schmerzhafte Veränderung der Wirbelsäule des Hundes. Im Fachjargon spricht man von einer Spondylosis deformans, die eine degenerative Erkrankung des Skeletts darstellt. Dabei verknöchern die die Wirbelzwischenräume zunehmend. Der gallertartige Kern der Bandscheibe schrumpft dabei, indem Wassereinlagerungen verloren gehen. Dies führt je nach Fortschreiten des Krankheitsbildes zu einer Versteifung der Wirbelsäule. Durch die Versteifung ist der Hund in seiner Beweglichkeit gering bis stark eingeschränkt. Durch die Verknöcherung bzw. Neubildung von sogenannten Spondylophyten können Gelenke des Hundes aufgerieben werden, wodurch sich der Gelenkverschleiß erhöht. Somit tritt Spondylose häufig auch in Kombination mit Arthose auf.