GENDEFEKTE beim Border Collie

Wie bei jeder anderen Rasse der Welt, die durch menschliches Zutun entstanden ist, ist auch der Border Collie nicht frei von vererbbaren Gendefekten. Oberste Priorität von jeder Zucht sollte es demnach sein, Erbkrankheiten einzudämmen und gänzlich aus dem Erbgut der Rasse zu verbannen. Durch Genanalyse wird es zusehends leichter, eine “krankhafte” Verpaarung zu verhindern und so dem Ziel von erblich gesunden Border Collies erheblich näher zu kommen.

 

Die meisten genetischen Erkrankungen werden rezessiv vererbt, das heißt dass die Krankheit nur dann ausbrechen kann, wenn beide Eltern das verantwortliche Gen an den Nachwuchs weitergeben.

somit gibt es Hunde

- ohne ein solches Gen (normal / free) und von ihnen können keine kranken Welpen entstehen!

- mit einem Gen (carrier), die keine Krankheitssymptome entwickeln können, jedoch das Gen an die Nachkommen weitergeben können

- mit zwei Genen (affected), die somit die Krankheit haben und IMMER ein verantwortliches Gen an den Nachwuchs vererben. Affected Hunde haben meiner Meinung nach nichts in der Zucht zu suchen und bei einigen Defekten schieben mittlerweile auch die Zuchtverbände hier einen Riegel vor.


AUGENERKRANKUNGEN

 

Collie Eye Anomaly (CEA/CH)

ist eine rezzesiv vererbte Augenkrankkeit, bei dem es zu Blutungen im Netzhaut und/oder deren Ablösung kommt. Diese Krankheit verschlimmert sich nicht, ein Welpe, der die Symptome nicht aufweist, wird auch später nie Probleme damit bekommen. Da die leichte Form dieser Krankheit nur bei Welpen unter 9 Wochen feststellbar ist, ist es unabdingbar, dass sie vor dem Erreichen dieses Alters auf CEA untersucht werden! Diese Krankheit kann man mittlerweile genetisch nachweisen, befallene Hunde nennt man “affected”, Hunde die das Gen tragen nennt man “carrier”, freie Hunde werden “clear” genannt.

 

Glaukom (grüner Star)

Glaukom ist eine Gruppe von (Augen)Erkrankungen die mit der Schädigung von Netzhaut und Sehnerv durch einen mehr oder weniger erhöhten Augeninnendruck einhergeht. Es wird zwischen Primärglaukom und Sekundärglaukom unterschieden: Sekundär: das Glaukom entsteht durch eine andere Erkrankung / Primär: Glaukom entsteht durch Veränderung des Kammerwinkels.

Die Augenflüssigkeit läuft durch den Kammerwinkel ab - bei einem verengten Kammerwinkel (Goniodysgenesie) kann die Flüssigkeit nicht normal ablaufen was den Augeninnendruck erhöhen kann und zu einem Glaukom führen kann.

Die Forschung hat gezeigt das aber selbst bei Hunden mit einem veränderten Kammerwinkel nicht zwangsläufig ein Glaukom auftritt. Somit werden verschiedene Gene für eine Glaukomentwicklung verantwortlich sein.

Inzwischen gibt es einen sogen. "Markertest" - ein Teil der verantwortlichen Gene ist bekannt und auf diese kann gestestet werden (Prädisposition).

 

Katarakt (grauer Star)

Grauer Star bedeutet eine Eintrübung der Linse welche die Sehkraft verringert und zu Blindheit führen kann. Dies ist teilweise erblich bedingt oder kann durch äußere Umstände (Unfälle, Erkrankungen) und auch Altersbedingt auftreten.

Es gibt für Border Collies derzeit keinen Gentest.

Progressive Retina Atrophy (PRA): PRA beinhaltet verschiedene, erblich bedingte Netzhauterkrankungen die letzten Endes zur Blindheit führen, da in einem Alter von 3 – 5 Jahren die Netzhaut beginnt abzusterben. PRA wird rezessiv vererbt – es liegt mittlerweile ein Gentest für Border Collies vor, so dass es endlich möglich ist, diese Erkrenkung aus der Zucht zu verbannen!

Primäre Linsenluxation (PLL) Die Linse wird von den sog. Zonulafasern an ihrem Platz im Auge gehalten. Fehlt dieser Halt, kann sich die Linse verschieben oder luxieren. Hierdurch kann es in der Folge zu schmerzhaften Glaukomen und völliger Erblindung kommen. Die Ursache für die Primäre Linsenluxation (PLL) kann angeboren oder erworben sein. Daher kann auch bei einem genetisch nicht betroffenen Hund eine Linsenluxation auftreten. Im Falle der genetisch bedingten Form der PLL kann man bereits im Alter von 20 Monaten Veränderungen in der Struktur der Zonulafasern nachweisen, die Luxation erfolgt typischerweise im Alter zwischen 3 und 8 Jahren. PLL kommt eher selten beim Border Collie vor – es ist ein Gentest über "mydogdna" verfügbar. PLL wird autosomal-rezessiv vererbt

 

Die Schäferhundkeratitis

(Keratitis superficialis vasulosa pannosa pigmentosa chronica) ist eine chronische, oberflächliche Entzündung der Hornhaut und meist gleichzeitig auch der Bindehäute des Auges. Sie ist in der Tiermedizin nach ihrem Erstbeschreiber auch unter der Bezeichnung „Keratitis Überreiter“ bekannt.

Der Name Schäferhundkeratitis leitet sich von der Tatsache ab, dass diese Erkrankung vornehmlich beim Deutschen Schäferhund auftritt, und nur äußerst selten bei anderen Hunderassen (Border Collie, Collie, Pudel, Dackel, Greyhound, Mischlinge). Die Krankheit kommt meist zwischen dem 3. und 5. Lebensjahr des Hundes zum Ausbruch. Ohne Behandlung schreitet der genannte Entzündungsprozess der Augen sehr häufig weiter fort und erstreckt sich schließlich über die gesamte Hornhaut, was zur völligen Erblindung des Hundes führen kann. UV-Licht (Sonneneinstrahlung) kann die Erkrankung verschlechtern, weshalb erkrankte Hunde eine UV-Schutz-Sonnenbrille tragen sollten. Für die Schäferhundkeratitis liegt derzeit noch kein Gentest vor, es wird eine co-dominate Vererbung vermutet.

 


Trapped Neutrophil Syndrome (TNS)

wird wie die meisten Gendefekte rezessiv vererbt. Das Knochenmark produziert bei dieser Krankheit weiße Blutkörperchen, ist jedoch nicht in der Lage, diese effektiv in den Blutkreislauf zu bringen. Welpen haben dadurch ein geschwächtes Immunsystem und sterben an Infektionen, die sie nicht bekämpfen können. Befallene Welpen werden meist nicht älter als 6 Monate. Die Diagnose der Krankheit ist schwierig, da die Symptome variieren je nachdem, welche Infektionen der Welpe bekommen hat. 

TNS ist eine der etwas häufiger auftretenden Krankheiten beim Border Collie, seit ein Gentest existiert, gehen die Zahlen jedoch sehr stark zurück.

 

Ceroid Lipofuscinosis (CL)

Körperzellen, hauptsächlich Nervenzellen werden bereits im Embryo geschädigt. Befallene Hunde werden nicht älter als 3 Jahre und sterben einen schmerzhaften Tod. Diese Krankheit kann nicht behandelt werden und verläuft immer tödlich, tritt beim Border Collie jedoch äußerst selten auf. Auch hierbei handelt es sich um eine rezessiv vererbbare Krankheit, bei dem ein Gentest möglich ist.

 

Multi-Drug-Resistance1 defect (MDR1)

Diese Erkrankung ist der meist bekannte Defekt der Rasse, sie ist eine Unverträglichkeit gegenüber gewissen Arzneimitteln und tritt fast ausschließlich bei Collieartigen Hunderassen auf. Auch diese Krankheit wird rezessiv vererbt. Erbliche gesunde Hunde sind MDR(+/+), Träger sind MDR(+/-) und Befallene sind MDR(-/-). Diese Darstellungsweise ruht noch aus einer Zeit, in der wenige Gentests verfügbar waren und die Ergebnisse über plus und minus dargestellt wurden.

 

Imerslund-Gräsbeck-Syndrom (IGS)

ist gekennzeichnet durch die Malabsorption von Vitamin B12 aus der Nahrung. Der chronische Cobalamin-Mangel führt zu Veränderungen im Blutsystem und neurologischen Ausfällen aufgrund irreversibler Schädigungen des Gehirns und Nervensystems. IGS kann durch eine frühzeitige und regelmäßige Substitution von Vitamin B12 therapiert werden. IGS wird rezessiv vererbt

 

Canine degenerative Myelopathie (DM)

ist eine schwere neurodegenerative Erkrankung mit spätem Beginn ungefähr ab dem 8. Lebensjahr. Die Erkrankung ist durch eine Degeneration der Nerven im Brust- und Lendenteil des Rückenmarks gekennzeichnet, was eine progressive Ataxie und Parese verursacht. Man beobachtet die ersten klinischen Anzeichen in der Hinterhand im Form von unkoordinierten Bewegungen, einer gestörten Eigenwahrnehmung und gestörter Reflexe. Wenn die Erkrankung weiter fortschreitet, weitet sie sich auf die vorderen Gliedmaßen aus. Diese Erkrankung kommt bei vielen weiteren Rassen vor.

 

Early Onset Adult Deafness (EOAD)

ist eine Erbkrankheit die Taubheit verursacht und kommt beim Border Collie immer häufiger vor.

EOAD wird autosomal rezessiv vererbt.

Betroffene (affected) Hunde scheinen nach der Geburt völlig normal zu hören, Welpen mit 8 Wochen können definitiv hören. Aber schlussendlich verlieren betroffene Hunde ihr Gehör spätestens mit einem Jahr komplett. Betroffene Rüden erleiden einen früheren Beginn der Taubheit als betroffene Hündinnen. Der Gentests für Border Collies ist seit kurzem über "my odg dna" verfügbar.

 

Maligne Hyperthermie (MH)

ist eine vererbte Fehlfunktion des Skelettmuskels die sich nach Gabe von Muskelrelaxantien oder flüchtigen Betäubungsmitteln entwickelt. Die Hunde leiden nach der Gabe dieser Medikamente unter Tachykardie, Hyperthermie und erhöhter CO2-Produktion.

 

Raine-Syndrom (Raine)

Vom Raine Syndrom betroffene Hunde zeigen sehr starke Abnutzung der Zähne und Zahnfleischentzündungen aufgrund einer fehlenden Mineralisierung sowie einer damit einhergehenden Schwächung des Zahnschmelz. Auch andere Knochen sind bei diesen Tieren normalerweise geringer mineralisiert.

 

Sensorische Neuropathie (SN)

ist eine schwere neurologische Störung die durch eine Degeneration von sensorischen (und manchmal auch motorischen) Nervenzellen verursacht wird. Die ersten Anzeichen treten mit Alter von 7 Monaten bis 2 Jahren auf. Betroffene Hunde zeigen eine voranschreitende verschlechterung der Koordination und Beweglichkeit sowie eine übermäßige Dehnung der einzelnen Sehnen und Muskeln. Sie sind nicht in der Lage ihre Körperstellung bewusst wahrzunehmen. Es kommt zum Verlust von Schmerzrezeptoren, betroffene Hunde fangen häufig an sich selbst zu verstümmeln (anknabbern der Pfoten und Gliedmaßen und der Rute).

SN wird autosomal-rezessiv vererbt und kommt eher selten beim Border Collie vor.

 

Hyperurikosurie (SLC)

ist eine von Geburt an autretende Veränderung im Purinstoffwechsel. Der Gehalt an Harnsäure im Plasma ist bedeutend höher als bei gesunden Hunden. Betroffene Hunde entwickeln häufig Blasensteine und sollten Purinarm ernährt werden. Diese Erkrankung ist eher selten beim Border Collie